Historisches

Initiiert wurde das Projekt von der Bolivianerin Emma Bolshia Bravo Cladera, welche 1972 Bolivien und 1974 Chile aus politischen Gründen verlassen musste und von Andrés Gautier, ein in Peru geborener Schweizer. Da Bolivien als einziges Land Südamerikas nicht über ein Zentrum für die Rehabilitation von betroffenen Personen verfügte, entschieden sich die beiden Psychologen ebensolches aufzubauen.

Zu diesem Zwecke reisten sie 1996 nach Bolivien und begannen erste Kontakte mit Betroffenen, Institutionen und Spezialisten zu knüpfen. Fortan unternahmen sie folgende Schritte um ihr Ziel zu erreichen:

Juli 1997: Dank der Kontakte mit dem Präsidenten der permanenten Versammlung der Menschenrechte in Bolivien (APDHB, Asamblea Permanente de Derechos Humanos de Bolivia) Dr. Waldo Albarracin entsteht die Idee, ein Symposium zum Thema Menschenrechte zu organisieren, damit das professionelle Potential Boliviens evaluiert werden kann.

Dezember 1997: APT (Asociación por la Prevención de la Torture mit Sitz in Genf) kann als Partner für die Organisation des internationalen Symposiums über die Folgen von Folter und Staatsgewalt gewonnen werden.

März 1998: Fundraisingkampagne in der Schweiz, um die Realisierung des 1. internationalen Symposiums über die Folgen von Folter und Staatsgewalt zu ermöglichen.

September 1998: Erste Kontakte mit Folterbetroffenen, mit bolivianischen Spezialisten sowie mit Menschenrechtsorganisationen.

14 – 18 Juni 1999: Realisierung des 1. internationalen Symposiums über die Folgen der Folter und der Staatsgewalt in La Paz zu therapeutischen, juristischen und präventiven Themen.

14. Juni 1999: Versammlung von bolivianischen und ausländischen Gesundheitsspezialisten für die Gründungsbesprechung von ITEI.

21. Juni 1999: Konstituierung der ersten Arbeitsgruppe für die Gründung von ITEI, welche sich auf ein Netzwerk von unterstützenden Institutionen und Personen abstützt. (APDHB, Asociación de Familiares de Desaparecidos (ASOFAMD), Amnesty International (AI), Unión de Mujeres de Bolivia (UMBO), Movimiento Franciscano de Justicia y Paz, Fundación La Paz sowie den Privatpersonen Gertrudis Pfäfflin und Mónica Alarcón.

Diese Arbeitsgruppe trifft sich periodisch auch nach der Rückkehr von Emma Bolshia Bravo aus der Schweiz. Dank der finanziellen Unterstützung von ICRT für die Koordinationsaufgaben, welche zwischenzeitlich von Gertrudis Pfäfflin übernommen worden waren, sowie den von Emma Bolshia Bravo C. und Andrés Gautier übernommenen administrativen Kosten und dem zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten von ASOFAMD und Maria Elena Lora, können die Arbeiten weitergeführt werden.

September 1999 – August 2000: Fundraisingkampagne in der Schweiz für die Publikation der Protokolle des Symposiums.

September 2000: Aufnahme der Arbeiten von ITEI in den Bereichen Ausbildung, Forschung und Rehabilitation durch das erste ITEI-Team: Emma Bolshia Bravo C., Andrés Gautier und Jenny Gruenberger.

November 2000: Präsentation der Protokolle des Symposiums in La Paz.

25. Januar 2001: ITEI - Gründungsakt.

28. August 2001: Offizielle ITEI - Gründungsfeier im Casa de Cultura, La Paz.

8.März 2003: Eröffnung eines ITEI-Büros in Cochabamba mit den Mitarbeitenden Zulema Callejas, Tamara Gonzalez und Isabel Chuquimia.

18. August 2003: Eröffnung eines ITEI-Büros in El Alto mit den Mitarbeitenden Marcelo Flores, Lucy Poma, José Pardo y Cecilia Cárdenas.

Zeitzeugen

Regierungszeit von Paz Estenssoro 1964

„…die Wahrheit ist, dass ich schrie und sicherlich hörte man meine Schreie bis zum Regierungsgebäude. Ich wusste, dass ich im 3. Monat schwanger war und dass mein Baby ein Junge ist, und dass ich es verloren hatte. Ich fühlte einen enormen Zorn in mir, denn ich fühlte mich nicht nur gefoltert, sondern zusätzlich der weiblichen Werte beraubt, meiner Ehre und meinem Recht auf Mutterschaft -und all das hatten sie mir genommen.“

Diktatur Banzer 1971

„Somit habe ich keine Ahnung wie lange ich in dieser dunklen Zelle eingesperrt gewesen bin bevor ich ihnen dienen musste. Eines Nachts kamen sieben Maskierte mit einer Kerze in der Hand, schlugen mich zu Boden, zerrissen meine Kleider und einer nach dem anderen vergewaltigte mich.“

Regierungszeit von Jaime Paz Zamora 1992

Wir werden Dich töten, Du gehörst zu den Verschwundenen, Du bist nichts wert. Sie hielten mir einen Revolver an den Kopf und drückten ab. Es funktionierte nicht und sie sagten: „Wir werden Dich der Sicherheitsabteilung des Militärs übergeben.“ Man kann davon ausgehen, dass wenn das Militär schon schlimm ist, dann ist die Sicherheitsabteilung noch schlimmer, Barbaren, die überhaupt kein Mitleid mehr haben. Die sagen Dir dann so Sachen wie: „Die Militärs wollen Dich und werden Dich zerstören, vergiss nicht, die haben schon den Peruaner beim Foltern getötet. Also ist es überhaupt nicht verwunderlich, wenn sie Dich auch töten werden.“

Diktatur Garcia Meza, Caracoles, 1980

„Ungefähr 10 Kameraden mussten sich ausziehen. Nackt wie sie waren, mussten sie sich auf die Eisfläche setzen. Sie zitterten am ganzen Körper und wurden aufgefordert zu sprechen. Wir wissen nichts – sie konnten vor lauter Kälte kaum mehr sprechen. Diese schreckliche Kälte. Danach liess man sie splitternackt defilieren.“